Luc Deleu (Belgien)

Duffel, 1944

Orbino

Luc Deleu konzipiert aus einfachen Containern symbolisch geladene Monumente.

Die Containerinstallationen beruhen auf architektonischen Prinzipien, die im Fertigbau zur Anwendung kommen. Sie gleichen Monumenten, großen Skulpturen, riesigen Wegweisern in der Landschaft und wirken wir Baken oder Meilensteine.

Luc Deleu arbeitet seit 1983 mit Containern. Seine Container sind Readymades, industriell hergestellte Stahlkisten für den Gütertransport. Deleu konzipiert aus diesen einfachen Objekten symbolisch geladene Monumente wie Triumphbögen, Obelisken und Brücken. Seine Werke werden später oft wieder abgebaut und für den Transport und Güterverkehr wiederverwendet.

Bei Deleus Skulpturen ist das Verhältnis der Container dem Besucher, sowie dem Raum gegenüber, in dem sie aufgestellt wurden, von essentieller Bedeutung. Die Monumente beruhen auf den Grundprinzipien der Wahrnehmung von Maßstab und Perspektive: Man kann die Größe eines bestimmten Gegenstands am besten im Verhältnis zu den ihn umgebenden Dingen einschätzen. Eine Kathedrale erscheint zwischen mittelalterlichen Gebäuden enorm groß, erweckt aber zwischen Wolkenkratzen einen weit weniger imposanten Eindruck. Bei den Containerinstallationen handelt es um spielerisch gestaltete, einfache geometrische Strukturen mit einer starken visuellen Ausstrahlung. Der Künstler arbeitete zuerst mit LEGO-Steinen, den wohl bekanntesten Spielzeugbausteinen (Obelisk aus dem Jahr 1983, zu sehen im M HKA) und später dann auch mit Spielzeugcontainern.

In den 1970er Jahren setzte sich Deleu mit seinem Orbanistischen Manifest für den „Orbanismus” ein, den er dem modalen Urbanismus gegenüberstellte und damit auf das päpstliche Beispiel „Urbi et Orbi” verwies. Konkret bedeutete das die Einführung von utopisch-anarchistischen Interventionen in die Stadt, die das Leben des modernen Menschen, freier, schöner und kommunikativer - oder einfach absurder - gestalten sollten.

Im Container wird das Video „Luc Deleu: Tribüne (Diary 1971 - 1978)“ gezeigt. Das Collagenbuch „Tribüne” - das Thema dieser DVD samt dazugehörigem Booklet - ist eine Art „Container”, den der junge beginnende Architekt Luc Deleu zwischen 1971 und 1978 schuf. Neben einem Blick auf die Weltgeschichte und die Aktualitäten in der ersten Hälfte der 1970er Jahre enthält das Buch zahlreiche Hinweise auf Werke aus dieser Zeit oder Arbeiten, die erst später realisiert wurden. „Tribüne” ist 300 Seiten und fast 10 Zentimeter dick. Die Seiten sind genau wie das Cover ausnahmslos mit Zeitungsausschnitten, Fotos, Anzeigen, Skizzen, Stempelabdrücken, Notizen, Zeichnungen, Logos, Cartoons, Reklameprospekten, Strafzetteln und Weltkarten bestückt. Diese Kombination von Geschichte, Kunstgeschichte und einem individuellen künstlerischen Projekt macht Luc Deleus Frühwerk und Tagebuch zu einem faszinierenden Erlebnis.

Standort

Nummer 48 auf dem Grundriss

Beschreibung

  • Orbino
  • 2004
  • H. 810 cm x B. 605 cm x T. 729 cm
  • Metall, Glas
  • MIT.B.506