Johan Creten (Belgien)

1963

De Zuil – Die Säule

© Karin Borghouts

Das „Flämische Monument” überhaupt. Jede Seite der Skulptur erzählt eine andere Geschichte.

Auch wenn viele Skulpturen auf den ersten Blick eher unschuldig erscheinen, liegt eine politische Bedeutung oft zum Greifen nahe. Das ist auch bei dieser außergewöhnlichen monumentalen Skulptur für das Middelheimmuseum der Fall. Die Fantasiewelt von Johan Creten ist von Themen, Motiven und Objekten mit einer symbolträchtigen Bedeutung erfüllt.

Cretens Bienenkörbe sind ein Sinnbild der Gemeinschaft, Eicheln verweisen auf Macht und Politik, Meerestiere symbolisieren das Unfassbare. Die Muschel verweist auf die Vulva und gleichzeitig auf eine Gussform und somit auf die Bildhauerei an sich. Die Säule wurde an einer ziemlich versteckten Stelle im Park zwischen halb vergessenen sakralen Skulpturen von Manzù, Zuniga und Mestrovic aus der Museumssammlung aufgestellt. Der Besucher begegnet der Skulptur entweder ganz zufällig oder er muss sie suchen. Aufgrund ihrer monumentalen Maße steht sie in einem natürlichen Verhältnis zur Natur. Man muss zu dieser Skulptur „aufschauen”, sie bietet an diesem ruhigen Ort aber auch genügend Raum zum Nachdenken. Die Bedeutung der Skulptur lässt sich nicht nur aus der verwendeten Technik ableiten, sondern zeigt sich vor allem in dem, was sie uns über uns, über die Bildhauerei, unsere Heimat, unsere Kultur, die Gesellschaft und über Flandern erzählt.

Die Säule ist für Johan Creten das „Flämische Monument” überhaupt. Er hat sich dabei sowohl von der Architektur (römische Triumphsäulen, romanische und gotische Architektur), als auch der Natur (Kopfweiden, Meerestiere) inspirieren lassen. Hinweise auf einen Baum, eine Blume, eine menschliche Figur und die Fangarme eines Tintenfisches sind deutlich erkennbar, trotzdem ist nichts eindeutig. Jede Seite der Skulptur erzählt eine andere Geschichte. Auch die Körnung des Materials (Polyester mit Marmorpulver) und die Spannung zwischen den verschiedenen Formen sind von essenzieller Bedeutung.

Johan Creten (°1963) wohnt und arbeitet in Paris und dort, wo seine Aufträge ihn hinführen: von Rom, Miami und New York bis nach Shanghai.

Standort

Nummer 59 auf dem Grundriss