Isa Genzken (Deutschland)

Bad Oldesloe, 1948

Fenster I & Fenster II

Diese „Fenster” sind anstatt eines Mittels zum Hindurchschauen eher eine Form an sich.

Die Architektur als Quelle der Inspiration ist eine Konstante in Isa Genzkens Werken der 1980er und 1990er Jahre, was zu architektonischen Formen und Strukturierungsprinzipien, aber auch zur Integration von Kunst in neue Gebäude - u. a. in Zusammenarbeit mit dem belgischen Architektenduo Paul Robberecht und Hilde Deam - führte.

Isa Genzken begann in den 1980er Jahren, einer Zeit in der die Kunst nach der konzeptuellen Dekonstruktion des Modernismus neue eklektische Wege einschlug, ihre Werke der Öffentlichkeit vorzustellen. Ihre Arbeiten entstehen in einem Spannungsverhältnis zwischen Modernismus und Minimalismus, das sich in verschiedene Medien wie Skulptur, Installation, Film und Künstlerbuch überträgt.

Genzkens Werke scheinen genau wie Gebäude die Wirklichkeit „einzurahmen”. Sie bieten dem Betrachter auf den ersten Blick einen konzeptuellen und materiellen Rahmen, um das wuchernde Chaos der Wirklichkeit zu deuten. Bei einigen Skulpturen führt dieser Ansatz zu ruinenhaften Betonkonstruktionen auf Metallsockeln.

Bei Fenster I und II, die für die Ausstellung „Neue Skulpturen” (1993) geschaffen wurden, wird das Fragmentarische und Erodierte durch eine strenge und glatte Verarbeitung ersetzt. Genzken hat zwei Fensterskulpturen zwischen die Sträucher des Parkteils Middelheim-Laag gestellt. Aufgrund ihrer versteckten Lage zwischen den Sträuchern und der (zu) hohen Stahlstruktur, die wohl als Sockel dient, erscheinen sie nicht besonders funktional. Man kann nicht hindurchschauen, sondern schaut zu ihnen auf. Die Fenster bilden zwar einen Rahmen für die Bäume und Zweige in ihrer Umgebung, erwecken aber den Eindruck von Fremdkörpern und richten die Aufmerksamkeit vor allem auf sich selbst.

Das verwendete Material – transparentes Epoxidharz, das die innere Eisenstruktur erkennen lässt – verstärkt noch diese dysfunktionale Wirkung. Das durchsichtige Kunstharz ist für Veränderungen des Tageslichts empfänglich, wodurch der Rahmen gegenüber dem Eingerahmten noch stärker hervorgehoben wird.

Standort

Nummer 36 auf dem Grundriss

Beschreibung

  • Fenster I & Fenster II
  • 1993 & 1993
  • H. 282 cm x B. 51 cm x T. 89 cm (Fenster I)
  • H. 395 cm x B. 61 cm x T. 119 cm (Fenster II)
  • Beide Epoxidharz, Stahl
  • MIT.B.471A & MIT.B.471B