Kader Attia

Kultur, ein natürlicher wiederaufbau

Ausstellung

Kader Attia (°1970), ein französisch-algerischer Künstler, zeigt im Ausstellungspavillon Het Huis und im Hortiflora seine erste Einzelausstellung in Belgien.

Attias Installation The Repair from Occident to Extra-Occidental Cultures aus dem Jahr 2012 gehörte zu den Höhepunkten der documenta (13) und läutete den Beginn einer ständig wachsenden Reihe von Werken zu dem markanten Thema „Wiederaufbau” ein, das der Künstler auf eine ganz besondere Weise interpretiert. Attia zeigt dem Betrachter mit seinen Installationen, wie die Bedeutung von Objekten und Materialien historisch wächst und verwächst und wie dieses Phänomen im Austausch der Kulturen - oft im Kontext kolonialer Ausbeutung oder in Konfliktgebieten - zum Ausdruck kommt.

Die Ausstellung „Kultur, ein natürlicher Wiederaufbau” im Middelheimmuseum besteht aus zweit Teilen. 

13 neue Holzskulpturen

Les gueules cassées (Die zerstörten Gesichter)

13 neue Holzskulpturen erhalten einen Platz im Pavillon Het Huis. Der Künstler hat die Büsten in Zusammenarbeit mit traditionellen Handwerkern aus Bamako (Mali) und Brazzaville (Kongo) nach einer Reihe von Fotos stark verstümmelter Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg - Les gueules cassées (Die zerstörten Gesichter) - geschaffen. Viele dieser Soldaten waren auch in den Kolonien rekrutiert worden.

Attias Porträts von verstümmelten Kriegsopfern zeigen nicht nur die Spuren der brutalen medizinischen Notoperationen, die vor 100 Jahren durchgeführt wurden, sondern sind auch Ausdruck einer neuen Form der Darstellung des menschlichen Daseins, die aus dem Verschmelzen von Einflüssen aus der afrikanisch-arabischen und der westlichen Bildhauerkunst hervorgeht. In diesen beiden Kulturen werden die Ethik und die Ästhetik des menschlichen Körpers auf sehr unterschiedliche Weise verstanden und erlebt. Bei Attia entsteht eine neue, kreative und hybride Mischform.

Installation Untitled (Al Aqsa)

Den anderen Teil der Ausstellung bildet Attias Installation Untitled (Al Aqsa) aus dem Jahr 2009, die damals zum erstmals in Les Tuileries in Paris ausgestellt wurde. Der Hinweis im Titel erinnert vor allem an die al-Aqsa-Moschee in Jerusalem und erzeugt angesichts des aktuellen Krisenherdes in der Region eine politische und tiefgreifende Konnotation zur israelisch-palästinensischen Problematik. 

350 Zimbeln auf Stahlstäben

Die Komposition aus Zimbeln auf Stahlstäben weckt Assoziationen mit Pflanzen, Blumen oder Wasserlilien und hat nicht nur zu Recht einen Platz im Hortiflora erhalten, sondern logischerweise auch innerhalb der westlichen skulpturalen Tradition der Land Art und der Tonskulpturen. Wind und Regen sorgen dafür, dass die Installation einen Dialog mit den Naturelementen eingeht und als deren Verlängerungsstück fungiert…

Die 350 Zimbeln wiegen sich wie Blätter von Pflanzen aus Bronze im Wind und laden die Besucher dazu ein, berührt und - beispielsweise mit einem Steinchen oder einer Münze - zum Klingen gebracht zu werden. Auf diese Weise wird die Installation Gegenstand einer musikalischen und gleichzeitig stillen Verwunderung. Das Werk regt uns dazu an, über unsere Stellung in der Natur nachzudenken und uns der Geringschätzung bewusst zu werden, mit der wir heutzutage mit unserer Umwelt umgehen.

Besucherinformationen

Kader Attia. Kultur, ein natürlicher Wiederaufbau 

  • Vom 25. Oktober 2014 bis 29. März 2015, von 10 bis 17 Uhr (Montag und am 1. November, 25. Dezember und 1. Januar geschlossen)
  • Middelheimmuseum (Pavillon Het Huis)
  • Eröffnung: 25. Oktober um 14.30 Uhr
  • Eintritt frei

Kostenlose Führung am Sonntag, den 29. März 2015 von 14 bis 16 Uhr

  • Treffpunkt um 13.45 Uhr am Schloss (Empfang)

Künstlergespräch

  • 25. Oktober 2014 um 12.30 Uhr
  • UA Campus Groenenborger, Aula T.105 (Groenenborgerlaan 171, 2020 Antwerpen)